ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen
Lebensmittel­wertschätzung

Lebensmittel­wertschätzung

Bis Lebensmittel auf dem Teller landen stecken in ihnen eine Menge Zeit, Arbeitskraft und Ressourcen. Auch gesundheitsfördernde und nachhaltigkeitsrelevante Aspekte spielen eine Rolle, welche Haltung wir den Lebensmitteln gegenüberbringen. Wertschätzung und Wertschöpfung gehen Hand in Hand!


 

Teigherz
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DAS HANDLUNGSFELD

„Lebensmittelwertschätzung“ ist eins von fünf Handlungsfeldern der Ernährungsstrategie. Die Lebensmittelwertschätzung ist damit ein zentraler Ansatzpunkt, um die gesundheitsfördernde und nachhaltigere Ernährung in Niedersachsen zu stärken.

Die hier aufgeführten, empfohlenen Maßnahmen zeigen dabei verschiedene Wege auf, wie dieses Ziel mit mehr Lebensmittelwertschätzung erreicht werden kann. Die Maßnahmen sind thematisch gebündelt. Sie werden hier in gekürzter Form wiedergegeben. Die originale Formulierung ist in „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ nachzulesen.

Darum geht’s im Handlungsfeld „Lebensmittelwertschätzung“

Mehr Lebensmittelwertschätzung in Niedersachsen: von der Theorie in die Praxis

Zahlreiche Maßnahmen aus der Strategie geben theoretische Empfehlungen, wie sich die Lebensmittelwertschätzung in Niedersachsen erhöhen lässt. Doch wie werden die Empfehlungen in die Praxis umgesetzt? Eine Datenbank zeigt alle Aktiven, die Niedersachsens Ernährungsstrategie zum Leben erwecken. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Region schon ein Projekt, dass Niedersachsens Ernährungsstrategie umsetzt!

Sie setzen auch eine der Maßnahmen um? Werden Sie Teil der Datenbank. So profitieren Sie von der zusätzlichen Öffentlichkeitsarbeit des ZEHN im Rahmen der Ernährungsstrategie!

Hier können Sie sich registrieren.

Bild Datenbank Ernährungsstrategie
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LANDWIRTSCHAFTLICHE ERZEUGUNG

Ein Wandel im Ernährungssystem beginnt auf dem Acker und im Stall. „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ unterstützt, dass die landwirtschaftliche Erzeugung nachhaltiger wird und achtet dabei gleichzeitig auf ein angemessenes Einkommen für die Erzeuger*innen.

 

Die für die Ernährung wichtigen pflanzlichen Lebensmittel sollten aus der Region stammen. Deshalb muss der Anbau pflanzlicher Eiweißlieferanten in Niedersachsen gestärkt werden. Damit an den niedersächsischen Standorten Produkte mit guter Qualität erzeugt werden können, wird die Forschung, das Versuchswesen und die Beratung verbessert.

 

Niedersachsen unterstützt die Empfehlungen zum Umbau der Nutztierhaltung vom Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung („Borchert-Kommission“). Das Konzept umfasst ein staatliches Tierwohl-Label, ein Finanzierungskonzept für höhere Tierwohlstandards sowie eine Anpassung des Bau- und Immissionsschutzrechts, um Stallumbauten zu ermöglichen.

 

Niedersachsen nimmt als Land seine Vorbildfunktion wahr und stellt eigene Flächen nach und nach auf ökologische Bewirtschaftung um. Die Pächtertreue wird bei der Umstellung mitbedacht.

Qualitätskontrolle
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Fleischerei
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Bäcker kneten Teig
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LEBENSMITTELVERARBEITUNG

Damit sich eine gesundheitsfördernde und nachhaltigere Ernährungsweise in der Gesellschaft umsetzen lässt, müssen auch die Lebensmittel und ihre Produktionsweisen dementsprechend vorhanden und ausgerichtet sein. „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ zielt daher darauf ab, auch die Lebensmittelverarbeitung gesundheitsfördernd und nachhaltiger auszurichten.

Die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie (NRI) bezieht sich auf Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten. Es wird angestrebt, dass lebensmittelverarbeitende Betriebe ihre Produkte im Sinne der NRI optimieren. Voraussetzung ist, dass dabei keine alternativen ungünstigen Produkte entstehen und keine anderen energieliefernden oder süßenden Zutaten als Ersatz verwendet werden. Verbraucher*innen sollten begleitend darüber aufgeklärt werden, um die Akzeptanz veränderter Rezepturen zu sichern.

 

Der Nutri-Score ist eine einfache, europaweite Nährwertkennzeichnung. Es wird begrüßt, wenn der Nutri-Score stärker angewendet wird, sodass mehr Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln geboten wird. Der Nutri-Score wird dabei auch als Anreiz gesehen, die Rezeptur von Produkten zu verbessern.

 

Lebensmittelverarbeitende Betriebe werden dabei unterstützt, ihr Unternehmen und ihre Produktion nachhaltiger auszurichten. Dazu werden z. B. Maßnahmen zum Einsparen von Ressourcen oder von Müll begrüßt.

 

„Niedersachsens Ernährungsstrategie“ setzt sich dafür ein, ein staatliches Tierwohllabel für alle Tierarten einzuführen. Verbraucher*innen werden begleitend aufgeklärt, um mit dem neuen Label eine bewusste Kaufentscheidung treffen zu können.

 

„Niedersachsens Ernährungsstrategie“ unterstützt die Forderung, ein staatliches Klima-Label einzuführen. In Niedersachsen wird ein Konzept für ein Klima-Label entwickelt und erprobt. Es ermöglicht Verbraucher*innen, ihre Ernährung klimafreundlicher zu gestalten, und wirkt als Anreiz für lebensmittelverarbeitende Betriebe. Zukünftig sollten sich die verschiedenen staatlichen Label ergänzen.

Fleischtheke
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Käsetheke
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Unverpacktladen
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VERKAUFSORTE

Die Verkaufsorte stellen eine wichtige Schnittstelle zwischen Erzeugung und Konsum dar. Mit „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ ist es das Ziel, eine gesundheitsfördernde und nachhaltigere Ausrichtung zu stärken und ein angemessenes Einkommensniveau für die landwirtschaftliche Erzeugung zu gewährleisten.

Der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel wird dazu aufgerufen, sein Angebot an Lebensmitteln mit nachhaltigeren Eigenschaften quantitativ auszuweiten. Regionale, saisonale, ökologische, tierwohlverträglichere und faire Lebensmittel sollten im Fokus stehen. Die Verbraucher*innen sollten zeitgleich darüber aufgeklärt werden.

 

Der Lebensmitteleinzelhandel sollte sein Marketing verstärkt auf Lebensmittel mit nachhaltigeren Eigenschaften ausrichten. Die Vorzüge, die diese Lebensmittel nachhaltiger machen als andere, sollten im Fokus stehen.

 

„Niedersachsens Ernährungsstrategie“ setzt sich dafür ein, dass Billigwerbung vermieden wird. Ein Verhaltenskodex zwischen Landwirt*innen und dem Handel wird unterstützt, um faire Preise sicherzustellen.

 

Die Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelversorgungskette – kurz: UTP-Richtlinie – wird in Niedersachsen begrüßt. So wird die Marktposition kleinerer Liefer- und Landwirtschaftsbetriebe gestärkt.

 

Die von der Politik begonnenen Lebensmittelgipfel zum Dialog zwischen Erzeuger*innen und dem Handel werden fortgeführt. So sollen eine angemessene Preisgestaltung und faire Handelsbeziehungen gefestigt werden.

Restaurant
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Frau mit Kaffee-Tablet
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Fisch
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GASTRONOMIE

Neben der Gemeinschaftsverpflegung nimmt auch das gastronomische Angebot einen wichtigen Stellenwert in der Außer-Haus-Verpflegung ein. „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ ist bestrebt, Gastronomiebetriebe zu mehr Lebensmittelwertschätzung zu bewegen und sie zu motivieren, nachhaltige Aspekte in ihre Arbeit einzubinden.

Bieten gastronomische Betriebe ein nachhaltigeres Speisenangebot an, können sie sich auszeichnen lassen. Sie werden so motiviert, ihr Angebot dahingehend weiter zu optimieren.

 

„Niedersachsens Ernährungsstrategie“ spricht sich dafür aus, die Portionsgrößen auf die individuellen Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen. Das Angebot bedarfsgerechter Portionsgrößen schafft Wahlmöglichkeiten für die Gäste und bietet darüber hinaus die Chance, auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen.

Frau im Unverpacktladen
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 Einkaufswagen im Supermarkt
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Kräuterbeet
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PRIVATER KONSUM

Die gesundheitsfördernde und nachhaltigere Wahl wird zur einfachsten Wahl. Sie wird den Verbraucher*innen über möglichst faire Umgebungen zugänglich gemacht. „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ unterstützt den gesundheitsfördernden und nachhaltigeren Konsum.

Als wissenschaftliche Grundlage für die Empfehlungen in „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ gelten die 10 Regeln der DGE sowie die Planetary Health Diet. Demnach ist der Verzehr tierischer Produkte so anzupassen, dass er die Gesundheit unterstützt. Gleichzeitig trägt eine stärkere pflanzenbetontere Ernährung dazu bei, ernährungsmitbedingte Erkrankungen zu senken.

 

Leitungswasser sollte nach Möglichkeit öffentlich und kostenlos zugänglich gemacht werden – z. B. auf öffentlichen Plätzen, im Rathaus oder in der örtlichen Schule. Damit wird eine Alternative zu energieliefernden Getränken wie Softdrinks geboten.

 

Die Herstellung von Lebensmitteln ist mit Folgekosten verbunden. Diese sollten sichtbar gemacht werden. Denn bisher sind z. B. die negativen Effekte auf die Natur (z. B. Treibhausgasemissionen) oder die Arbeitsbedingungen der an der Produktion beteiligten Menschen nicht im Preis berücksichtigt.

Ernährung Tablet
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Möhren und Rote Beete
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Zero Waste
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ENTLANG DER WERTSCHÖPFUNGSKETTE

Die Lebensmittelwertschätzung zu stärken, ist ein fortlaufender Prozess an dem alle beteiligt sind. „Niedersachsens Ernährungsstrategie“ hat zum Ziel, die Lebensmittelwertschätzung kontinuierlich über alle Sektoren aufrechtzuerhalten.

Berufe bspw. in der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung, dem Handel, dem gastronomischen Service benötigen Weiterbildungen. Diese stellen eine gesundheitsfördernde und nachhaltigere Ausrichtung der Arbeit sicher und verbessern die Kommunikation darüber.

 

Alle Beteiligten – von der Erzeugung über die Verarbeitung, den Transport und die Vermarktung bis hin zum privaten Konsum – sollten den anfallenden Müll reduzieren und auf eine fachgerechte Entsorgung achten.